„Eine Reihe betrüblicher Ereignisse“ – Review

Netlix hat es wieder getan. Erneut wurde eine Eigenproduktion auf den Markt gebracht, welche zunächst eine Staffel mit nur 8 Folgen beinhaltet. Das ist für eine Serie eigentlich nicht wirklich viel, aber dennoch genug, um die Beliebtheit und das Potenzial einer Serie am Markt zu testen – und auch genug, um eine Review darüber zu schreiben. Kleiner Disclaimer: ich habe die Serie im Original mit englischen Untertiteln gesehen.

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„Eine Reihe betrüblicher Ereignisse“ basiert auf den gleichnamigen Büchern von Daniel Handler, welche diese Buchreihe unter dem Pseudonym Lemony Snicket veröffentlicht hat. Die Reihe umfasst eigentlich 13 Bände, hier wurden jedoch nur die ersten 4 unter die Lupe genommen und verfilmt. Eine Folge ist zwischen 43 und ca. 70 Minuten lang; ein Band wird jeweils mittels 2 Folgen dargestellt.

Die Geschichte handelt von den Baudelaire-Geschwistern – das sind Violet, Klaus und ihre Babyschwester Sunny – welche aufgrund eines Feuers auf tragische Weise ihr Heim und auch gleich ihre Eltern verlieren. Durch Mr. Poe – ein Mitarbeiter einer regionalen Bank – erfahren sie davon. Von nun an beginnt eine nie enden wollende Suche nach einer Unterkunft sowie einem Vormund für die drei Waisen, bei welcher Mr. Poe das Ruder in die Hand nimmt.

Ich kenne die Buchvorlage nicht, sehe dies aber als Glück, da ich so unvoreingenommen und Hals-über-Kopf in das Abenteuer eintauchen und die Serie genau beobachten konnte, ohne ein literarisch vorgefertigtes Bild im Hinterkopf zu haben.
Was mir in der ersten Folge sofort positiv ins Auge stach, war das Intro. Oder soll ich lieber „die Intros“ sagen? Ja, richtig, es gibt nämlich gleich vier davon. Pro Doppelfolge wurde ein Intro eingesungen, und zwar von niemand geringerem als dem Schauspieler Neil Patrick Harris, welcher hier den Antagonisten Graf Olaf verkörpert und auch gleichzeitig an der Produktion der Serie beteiligt war. Jedes Intro kündigt die Handlung der kommenden Doppelfolge an und ist gespickt mit Reimen – aber auch mit Warnungen. Das quasi ständig präsente Motto lautet nämlich „look away“.
Man soll lieber nicht hinschauen, lieber eine andere Serie aufsuchen, die mehr Freude bringt. Darauf hofft man bei „Eine Reihe betrüblicher Ereignisse“ vergeblich, zumindest laut dem Intro und auch laut dem Erzähler.

Der Erzähler ist Lemony Snicket selbst und wird hier durch den Schauspieler Patrick Warburton dargestellt, welcher stets eine traurige und ernste Mimik beherrscht, die die Stimmung der Geschichte gut einfängt. Er fungiert als Leitfaden, indem er immer wieder durchs Bild wandert und Hintergrundinfos gibt. Außerdem erklärt er auch Fremdwörter oder vorangegangene Geschehen.
Die variierenden Intros und der Erzähler haben die Serie für mich auf Anhieb schon zu etwas sehr originellem und besonderem gemacht, aber auch die Schauspielleistungen brauchen sich vor anderen Serien nicht zu verstecken.

Violet Baudelaire ist 14 und Klaus Baudelaire 12 Jahre alt. Die Kinderschauspieler machen für dieses Alter einen sehr guten Job. Sie verkörpern die Rollen glaubhaft, ohne zu übertreiben. Wie der Titel der Serie erahnen lässt, handelt es sich um eine düstere Geschichte, in der wirklich nicht viel glückliches passiert, was für einen Schauspieler eine Herausforderung ist – gerade für Kinder. Auch diese beherrschen hier ständig die passenden Mimiken; sie SIND quasi Violet und Klaus.
In meiner letzten Serienreview hatte ich ja positiv hervorgehoben, dass es mir dort so vorkam, als gäbe es kein Drehbuch. Das kann ich hier dagegen nicht behaupten. Natürlich ist es nicht ganz fair, zwei technisch komplett unterschiedlich gemachte Serien derartig zu vergleichen, aber dennoch bietet sich ein recht gut ersichtlicher Kontrast. Die beiden Kinder haben ihre Texte sauber auswendig gelernt und können diese sehr gut runterbeten. Noch einmal: es wirkt zu keinem Zeitpunkt übertrieben, aber dennoch etwas theatralisch.

Besonders hervorzuheben ist aber die Leistung von Neil Patrick Harris in der Rolle des Graf Olaf. Ja, er hat mich umgehauen. Graf Olaf selbst schlüpft in der Geschichte nämlich in unterschiedliche Rollen, um an das geerbte Vermögen der Waisenkinder zu gelangen. Dabei lässt er nichts unversucht und probiert immer wieder, sie kostümiert zu überlisten. Wir sehen Harris dadurch nicht nur in einer Rolle, sondern genau genommen in 4 – in der ersten Doppelfolge haben wir Graf Olaf himself, in den verbleibenden drei Doppelfolgen befindet er sich dann quasi nur noch in Verkleidung. Meiner Meinung nach sieht man hier deutlich das Talent des Schauspielers, welches er relativ frei ausleben darf. Das kommt ihm defintiv zugute.
Ich selbst kannte Harris vorher hauptsächlich als Barney in „How I Met Your Mother“, wo er eine Rolle spielen durfte, welche von seiner privaten Persönlichkeit so weit entfernt war wie es nur geht. Leider konnte er dort aber sein schauspielerisches Potenzial durch „Lücken“ im Drehbuch nie richtig ausleben, hier bekommt er dagegen endlich die Gelegenheit dazu. Ich persönlich freue mich wahnsinnig darüber!

Der Handlungsstrang von „Eine Reihe betrüblicher Ereignisse“ an sich wurde sichtlich auf ein jüngeres Publikum ausgelegt. Klar, das war bei der Buchvorlage ja auch so. Das wird besonders durch die Fremdwörter deutlich, die sofort näher erläutert werden, sodass diesbezüglich eigentlich keine Fragen offenbleiben können.
Die Geschichte dreht sich natürlich um die drei Waisenkinder, von denen jeder eine besondere Fähigkeit hat: Violet ist leidenschaftliche Erfinderin, Klaus ist sehr belesen und das Baby Sunny hat besonders scharfe Zähne, mit denen sie sogar Steine glattschleifen kann. Gerade an der Figur Sunny merkt man, dass dieses Gimmick sicherlich nur eingebaut wurde, um ein jüngeres Publikum an die Serie zu binden und zum Lachen zu bringen. In Dialogen gibt Sunny auch babyhafte Laute von sich, die dann mithilfe von Untertiteln in ganze Sätze umgewandelt werden.
Die Fähigkeiten aller drei Kinder heben sie auf ihre eigene Art auf ein gewisses Heldenniveau. Das ist ein sehr märchenhaftes und fantasievolles Mittel, welche der Serie meiner Ansicht nach etwas leicht fantastisches und übernatürliches verleiht.

Die Geschehnisse sind jedoch trotz der Auslegung auf Kinder relativ spannend; sie sind genau getaktet und man muss gut aufpassen, um mitzukommen. Es ist also auf keinen Fall eine „Kinderserie“ per se. Ich denke, wir haben hier eine genau richtige Portion an Anspruch. Man muss zwar gut aufpassen, dies gelingt dem Zuschauer jedoch gerade durch den  Einsatz eines Erzählers sehr leicht, sodass alle Altersgruppen, die Interesse an den Abenteuern der Baudelaire-Waisen haben, auf ihre Kosten kommen werden.

Jetzt habe ich viele sehr positive Aspekte genannt, aber es gab auch Dinge, die mich stutzig gemacht haben.
Der eigentliche Kern der Geschichte ist ja, dass die Baudelaire-Geschwister ihre Eltern verloren haben und nun auf der Suche nach einem Vormund sind. Dabei fragen sie sich immer wieder, was genau ihren Eltern eigentlich widerfahren ist und wie sie in diese Situation gekommen sind. Dieser Gedanke wird in der ersten Doppelfolge aufgenommen – und dann leider erst in der siebten Folge weiter fortgeführt. Das wurde mir erst so richtig bewusst, als ich mir die letzten beiden Folgen angesehen habe.
Die fünf Folgen dazwischen drehen sich nur um das Finden eines Vormundes und um die Intrigen des Graf Olaf. Versteht mich nicht falsch, auch das hatte seine Vorzüge und war durchaus sehr spannend anzuschauen, jedoch befindet sich zwischen dem Ende von Folge 2 und dem Anfang von Folge 7 eine plotmäßige Lücke. Dadurch bekam ich, als Nicht-Kennerin der Buchvorlage, das Gefühl, als ob die Macher der Serie nicht so recht wussten, wie sie die Geschichte nun erzählen wollten. Das führt zu einem leicht sauren Beigeschmack im Spektrum einer eigentlich guten Serie.

Fazit
Positiv überrascht war ich von den guten Schauspielleistungen der beiden Kinderdarsteller sowie von der herausragend fantastischen Leistung des Neil Patrick Harris in der Rolle (oder eher den Rollen) eines sehr bösen, aber durchaus auch komischen, Schurken. Außerdem hat es mir gefallen, dass eine märchenlastige, aber auch anspruchsvolle Serie konzipiert wurde, welche sich Kinder und Erwachsene gleichermaßen anschauen können.
(Hier muss ich aber am Rande anmerken, dass ich sie mir als Kind vermutlich nicht angeschaut hätte. Das liegt aber an meinen persönlichen Präferenzen. Kinder, denen dunklere Flairs und Gruselgeschichten nichts ausmachen, sind hier viel besser aufgehoben als ich es als Kind gewesen wäre. 😀 )
Schade fand ich, dass die Geschichte innerhalb der Folgen etwas gesprungen ist und sich mir deshalb nicht wirklich erschloss, welchen Teilaspekt man zuerst behandeln wollte. Außerdem fand ich die Untertitel zur Verdeutlichung von Sunnys Lauten an manchen Stellen ein bisschen überflüssig und es wirkte eher komödiantisch, im Gegensatz zum dramatischen Rest der Handlung.

Meine Gesamtwertung beträgt 4 von 5 Sternen – mit der Anmerkung, dass ich eigentlich 3,5 geben wollte, die Schauspielleistungen und der krasse Ohrwurmfaktor der Intros es aber noch einmal rumreißen konnten. 😀

Habt ihr euch die Serie schon angesehen? Hat sie euch gefallen? Wie seht ihr die von mir angesprochenen Punkte? Lasst es mich gerne wissen!

Schaurige Grüße von

* Janina

13 Gedanken zu „„Eine Reihe betrüblicher Ereignisse“ – Review“

  1. Danke für die Besprechung der Serie! ich glaube für mich wäre diese Serie nichts. Ich bin nicht so der historische Geschichten Freund. Da schauen wir uns lieber „Better call Saul“ an. Da sind wir auch schon direkt 4 Leutchen in der Familie, die daran Spaß haben. Einen lieben Gruß, Sandra

  2. Die Serie klingt mir einen Funken zu fantasievoll, da bin ich leider auch kein Freund von! Aber ich denke meiner Schwester könnte sie gefallen. Sie schaut sowas sehr gerne!Danke für die ausführliche Vorstellung!

    Liebe Grüße
    Jana

    PS: Wir wünschen dir viel Glück beim Gewinnspiel! Italienisch gibt es gleich mit 3 verschiedenen Kursen 🙂
    Jana kürzlich veröffentlicht…Swingend neue Sprachen lernen – Ganz easy mit „The Grooves“ (Werbung inklusive Gewinnspiel)My Profile

  3. Also alleine mit Neil Patrick Harris als Schauspieler kann man mich Chon fast von jeder Serie und jedem Film überzeugen. Obwohl ich hier wirklich noch überlegen muss, ob die Handlung was für mich ist! Eventuell schau ich aber mal rein :). Da ich die Buchvorlage auch nicht kenne, werde ich es einfach mal zuerst mit der Serie probieren 🙂
    Danke für deinen Bericht!

    Viele Grüße
    Denise von
    http://www.lovefashionandlife.at

  4. Klingt interessant, auch wenn ich nicht so der Serienjunky bin. Netflix habe ich leider auch nicht. Weißt du, ob die Serie auch bei Amazon Prime läuft?
    LG Kathrin

  5. Liebe Janina,

    danke für deinen Beitrag! Nein, ich kenne die Serie noch nicht und habe auch noch gar nichts davon gehört. Aber irgenwie bin ich jetzt neugierig geworden.

    Liebe Grüße und schönen Abend!
    Verena

    1. Dankeschön, dass du aber trotzdem einen Kommentar geschrieben hast 🙂 Hatte mich zuerst gewundert, aber dann gesehen, dass du den aktuellen Beitrag ja auch schon kommentiert hattest. Lieb von dir!
      Lieben Gruß
      Janina

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